Was kostet eine Scheidung?

Im Rahmen der ersten anwaltlichen Beratung werden unsere Rechtsanwälte und Fachanwälte für Familienrecht recht schnell mit der Frage konfrontiert, was die Scheidung überhaupt kosten wird.

Selbstverständlich ist es wichtig diese Frage ganz offen mit dem jeweiligen betreuenden Rechtsanwalt anzusprechen. Allerdings ist es aus verschiedenen Gründen, die wir Ihnen gleich erläutern wollen, nicht so einfach Ihnen am Anfang der Tätigkeit auf den Cent genau, die Kosten des gesamten Scheidungsverfahrens auszurechnen.

Zum einen sollten Sie wissen, dass es bei der Berechnung der Scheidungskosten darauf ankommt, ob Ihr Rechtsanwalt nur gerichtlich für Sie tätig werden soll, also z.B. nur den Scheidungsantrag bei Gericht einreichen oder zusätzlich auch außergerichtlich tätig werden soll, etwa mit Ihrem Ehegatten außergerichtlich weitere Regelungen treffen soll.

Außergerichtliche Regelungen und Absprachen sind nahezu in jedem familienrechtlichen Bereich möglich, etwa im Rahmen der Verteilung von Haushaltsgegenständen und beim Thema Besuchsrecht mit den Kindern.

Sie können sich merken, dass die Scheidungskosten grundsätzlich umso höher sind, je mehr Streitigkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Ehegatten bestehen. Je mehr einvernehmliche Regelungen bestehen, umso geringer auch die Kosten, da der Rechtsanwalt dann auch weniger Aufwand hat.

Wenn also nur der Scheidungsantrag vom Rechtsanwalt eingereicht werden soll, so richten sich die Kosten grundsätzlich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Dieses Gesetz bestimmt, dass die Kosten einer Scheidung sich nach dem dreimaligen Netto-Monatseinkommen der Ehegatten richten. Das bedeutet, dass dieser Wert dann darüber entscheidet, wie hoch die Scheidungskosten dann konkret genau ausfallen.

Beispiel 1:
Die Eheleute A wollen sich scheiden lassen. Frau A hat ein monatliches Nettoeinkommen von 450,00 € und Herr A hat ein monatliches Nettoeinkommen von 2.000,00 €. Das dreimalige Netto-Monatseinkommen der Ehegatten beträgt also 7.350,00 €. Mithin betragen die Gerichtsgebühren für die Einreichung der Scheidung 406,00 € und die Anwaltskosten 1.380,40 € pro Anwalt.

Beispiel 2:
Die Eheleute B wollen sich scheiden lassen. Frau B hat kein monatliches Einkommen, Ihr Ehemann Herr B hingegen hat ein monatliches Nettoeinkommen von 5.000,00 €. Das dreimalige Netto-Monatseinkommen der Ehegatten beträgt also 15.000,00 €. Mithin betragen die Gerichtsgebühren für die Scheidung 586,00 € und die Anwaltskosten 1.957,55 € pro Anwalt.

Im Ergebnis bedeutet das also, dass Sie für Ihre Scheidung weniger bezahlen müssen, wenn Sie und Ihr Ehegatte über ein geringes Einkommen verfügen. Zudem sollten Sie wissen, dass lediglich für die Einreichung des Scheidungsantrages zwingend ein Rechtsanwalt erforderlich ist. Der andere Ehegatte, der nicht anwaltlich vertreten ist, kann selbst der Scheidung zustimmen.

Selbstverständlich prüfen unsere Rechtsanwälte auch im Einzelfall, ob Ihnen Verfahrenskostenhilfe, also staatliche Unterstützungsleistungen, für die Scheidungskosten zustehen könnten. Sollte dies der Fall sein, händigen Ihnen unsere Rechtsanwälte das entsprechende Formular für die Beantragung der Verfahrenskostenhilfe aus.

Haben Sie weitere Fragen zum Thema Scheidungskosten oder Verfahrenskostenhilfe? Gerne stehen Ihnen unsere Rechtsanwälte und Fachanwälte für Familienrecht bei Ihren Fragen zur Seite und beraten Sie gern. Rufen Sie uns gerne an!