In welchen Fällen kann ein Besuchsrecht (Umgangsrecht) für ein Kind ausgeschlossen werden?

Kammergericht, Entscheidung vom 20.06.2014, (Az.: 3 UF 159/12)

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) enthält gesetzliche Regelungen dafür, welche Personen mit einem Kind Umgang, also Besuchskontakte, haben dürfen. Diese Personen sind die Eltern, die Großeltern und sonstige Bezugspersonen des Kindes.

Eine besondere Relevanz hat das Umgangsrecht des Elternteils, der aufgrund von Trennung oder Scheidung nicht mit dem Kind zusammenwohnt.
In aller Regel verständigen sich die meisten Eltern im Zuge einer Trennung und Scheidung einvernehmlich und ohne Einschaltung des Familiengerichts über das Besuchsrecht des anderen Elternteils. In dem nun vom Oberlandesgericht Berlin (Kammergericht) entschiedenen Fall ging es um das Umgangsrecht eines Vaters, der einst mit der Mutter des Kindes verheiratet war und inzwischen nicht mehr mit ihr und dem Kind zusammenlebte.

Während der Vater des Kindes beantragte ihm gerichtlich ein Umgangsrecht zuzusprechen, beantragte die Mutter des Kindes, dass das Umgangsrecht des Vaters ausgeschlossen werden sollte, da das Kind keinen Umgang zum Vater wolle. Das Gericht entschied hier zu Ungunsten Vaters mit der Begründung, dass das Kind einen Kontakt zum Vater strikt ablehne. Die Gewährung eines Umgangsrechts zu seinen Gunsten würde eine Missachtung des Willens des Kindes darstellen und das Wohl des Kindes gefährden.

In dem Zusammenhang müsste natürlich genau geprüft werden, ob sich den Erklärungen des Kindes tatsächlich ein wahrer Wille entnehmen lässt oder, ob das Kind möglicherweise nur den Willen der Mutter wiedergebe, die einen Umgang des Kindes zu seinem Vater nicht wünsche.
Grundsätzlich kommt dem Willen des Kindes eine größere Bedeutung zu, je älter es ist.

Hat das Kind etwa das zwölfte Lebensjahr überschritten, so kann angenommen werden, dass der geäußerte Wille seinen tatsächlichen Bindungen entspreche.

Allerdings handelt es sich bei dem genannten Alter nicht um eine starre Altersgrenze. Je nach Reife des Kindes kann die Erklärung des Kindes auch in jüngerem Alter seinem wahren Willen entsprechen.

In dem vom Kammergericht entschiedenen Fall wehrte sich das Kind ganz konkret gegen den Umgang zu seinem Vater. Aufgrund der während der Ehe der Eltern erlebten Ereignisse, war er bereits wegen schweren Depressionen in psychiatrischer und psychologischer Behandlung
Das Gericht setze daher den Umgang des 16 Jahre alten Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit aus. Zur Begründung führte es aus, dass ein Umgang für das Wohl des Kindes schädlich sei. Insbesondere sei die Entscheidung des Kindes keinen Kontakt mit dem Vater haben zu wollen, zu akzeptieren.

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