Kindesunterhalt

Das deutsche Unterhaltsrecht unterscheidet zwischen verschiedenen Unterhaltsarten. Die bekanntesten sind der Ehegattenunterhalt und der Kindesunterhalt.

Der Kindesunterhalt hat absoluten Vorrang gegenüber allen anderen Unterhaltsansprüchen. Dies ist in § 1609 BGB gesetzlich geregelt. So ist gesetzlich geregelt, dass sofern mehrere Unterhaltsberechtigte (= Personen, die Unterhalt fordern können) vorhanden sind und der Unterhaltspflichtige (Person, die Unterhalt zahlen muss) außerstande ist, allen Unterhalt zu gewähren, eine bestimmte Rangfolge für den Unterhalt gilt. Hiernach steht der Kindesunterhalt an minderjährige Kinder an erster Stelle.

Sollte das Einkommen eines Unterhaltspflichtigen, nicht ausreichen, um sowohl seinen Kindern, als auch seiner getrennt lebenden Ehefrau Unterhalt zu zahlen, so muss er vorrangig den Kindesunterhalt sicherstellen. Hierbei ist es gleichgültig, ob die minderjährigen Kinder ehelich, also innerhalb einer Ehe oder unehelich geboren worden sind.

Ebenso regelt das Gesetz, dass den minderjährigen Kindern unter bestimmten Voraussetzungen auch volljährige Kinder gleichgestellt werden. So werden auch die volljährigen Kinder bis zum 21. Lebensjahr vorrangig behandelt, wenn sie sich in der Schulausbildung befinden und im Haushalt eines Elternteils leben.

Berechnungsbeispiel 1:

Ehemann (M) lebt von seiner Ehefrau (F) getrennt. Die Ehegatten haben zwei minderjährige Kinder im Alter von 2 und 4 Jahren zusammen.

Die Kinder leben bei F und werden von dieser betreut. F hat kein Einkommen.

M hat ein monatliches Netto-Einkommen von 1.700,00 €.

Wie viel Unterhalt muss M an seine Kinder und an seine Ehefrau zahlen?

Entsprechend der Düsseldorfer Tabelle muss M bei einem Netto-Einkommen von 1.700,00 € an seine minderjährigen Kinder einen Unterhalt in Höhe von jeweils 241,00 € zahlen. Da ihm nach Abzug des Kindesunterhalts in Höhe von 482,00 € (2x 241,00 €) 1.118,00 € für seinen eigenen Lebensbedarf verbleiben, ist sein Selbstbehalt, also der Betrag, der ihm selbst verbleiben muss, in Höhe von 1.080,00 € gewahrt. Da bei der Berechnung des Trennungsunterhalts aber der Selbstbehalt etwas höher liegt, und zwar bei 1.200,00 €, wäre dieser nicht mehr gewahrt, wenn M noch Trennungsunterhalt an F zahlen müsste. Daher schuldet M der F keinen Trennungsunterhalt.

Berechnungsbeispiel 2:

Auch in unserem zweiten Beispiel leben M und F voneinander getrennt. Sie haben drei minderjährige Kinder im Alter von 1 und 3 und 6 Jahren zusammen, die bei F leben.

M hat ein monatliches Netto-Einkommen von 1.800,00 €.

Wie viel Unterhalt muss M zahlen?

Bei einem Netto-Einkommen von 1.800,00 € muss M an seinen 6-jährigen Sohn einen Unterhalt in Höhe von 269,00 € und seine beiden jüngeren Kinder einen Unterhalt in Höhe von jeweils 225,00 € zahlen. Zwar bleiben M nach Abzug des Kindesunterhalts lediglich 1.081,00 € für seinen eigenen Lebensbedarf. Allerdings ist sein Selbstbehalt gewahrt, da bei der Berechnung des Kindesunterhalts ein geringerer Selbstbehalt besteht. Schulden Eltern ihren minderjährigen Kindern nämlich Unterhalt, so haben sie lediglich einen Selbstbehalt von 1.080,00 €. Dieser ist hier auch gewahrt. Unterhalt an F schuldet der M auch hier nicht, weil der Selbstbehalt beim Ehegattenunterhalt bei 1.200,00 € liegt.

Haben Sie weitere Frage zum Thema Kindesunterhalt?

Gerne stehen Ihnen unsere Rechtsanwälte und Fachanwälte in einem ausführlichen Erstberatungsgespräch zur Seite!