Grundsätze

Grundsätze im deutschen Erbrecht

Das deutsche Erbrecht ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Es handelt sich dabei um eine Rechtsmaterie, die für Laien schwierig zu verstehen ist. Daher möchten wir Ihnen nachfolgend gerne einige Informationen geben und Ihnen ein paar wichtige erbrechtliche Grundsätze erklären.

Testierfreiheit

Die sog. Testierfreiheit, d.h. die Fähigkeit ein Testament errichten zu können, ist ein wichtiger Grundsatz des deutschen Erbrechts. Er bedeutet, dass jeder Mensch grundsätzlich selbst frei über die Verteilung seines Vermögens nach seinem Tod entscheiden darf. Dieser Grundsatz kann ausnahmsweise und nur unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich eingeschränkt werden. Beispielsweise können Personen, die in einem Pflegeheim leben, das Pflegepersonal des Heims nicht als ihre Erben bestimmen.

Wer wird Erbe, wenn es kein Testament gibt?

Wurde kein Testament errichtet und auch kein Erbvertrag geschlossen, dann wird der Nachlass (Vermögen des Verstorbenen) nach ganz bestimmten Regeln vererbt. Haben Sie mehrere Kinder, dann erben alle Kinder zu gleichen Teilen. Zwei Kinder bekommen also grundsätzlich jeweils 50% des Nachlasses, drei Kinder erhalten entsprechend je ⅓ des Nachlasses. Hinterlässt der Verstorbene auch einen Ehegatten, dann erbt neben den Kindern auch der Ehegatte. Dem überlebenden Ehegatten steht nämlich nach dem Gesetz neben den Kindern des Erblassers grundsätzlich die Hälfte der Erbschaft zu. Die andere Hälfte wird zwischen den Kindern gleichermaßen aufgeteilt.

Beispiel:

M und F waren verheiratet und haben zwei Kinder. M verstirbt und hat weder ein Testament noch einen Erbvertrag. Zudem hatten M und F keinen Ehevertrag. Der Nachlass des M beträgt insgesamt 100.000 €.
In welcher Höhe erben F und die Kinder?

Zunächst erbt F 50.000 €. Die weiteren 50.000 € werden zwischen den Kinder jeweils zur Hälfte geteilt, so dass jeder 25.000 € erbt.

Können Personen als Erben ausgeschlossen werden?

Als Erblasser sind Sie grundsätzlich frei in Ihrer Entscheidung, wen Sie als Erben bestimmen möchten, bzw. wen Sie als Erben ausschließen, also enterben möchten. Für eine Enterbung reicht es aus, wenn Sie in Ihrem Testament schreiben, dass bestimmte Personen als Erbe ausgeschlossen werden sollen. Sie müssen Ihre Entscheidung jemanden zu enterben auch nicht begründen. Sie sollten allerdings wissen, dass nahe Angehörigen, wie Kindern, Ehepartner und Eltern trotz einer Enterbung in der Regel ein gesetzliches Pflichtteilsrecht zusteht. Das bedeutet, dass diese Personen trotz einer Enterbung in einem bestimmten reduzierten Umfang erben können.

Würde nach dem obigen Beispiel die Frau enterbt werden, so würde ihr der sog. Pflichtteil zustehen. Dieser beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils und würde in diesem konkreten Beispiel 25.000 € betragen.

Was tun, wenn Sie überhaupt nicht erben wollen?

Wenn Sie überhaupt nicht Erbe werden wollen, etwa weil der Nachlass überschuldet ist, sollten Sie wissen, dass Sie die Erbschaft nur innerhalb einer ganz bestimmten Frist, und zwar innerhalb der sechswöchigen Ausschlagungsfrist ab Kenntnis von der Erbschaft, ausschlagen können. Sollten Sie diese Frist verpassen, dann sind Sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, automatisch Erbe geworden und müssen dann auch für die Schulden aus der Erbschaft mit Ihrem eigenen Vermögen einstehen.

Haben Sie noch weitere Fragen zum Thema Erbrecht? Brauchen Sie Unterstützung oder rechtlichen Rat bei der Erstellung Ihres Testaments?

Rufen Sie uns gerne an! Unsere Rechtsanwälte stehen Ihnen bei Ihren erbrechtlichen Fragen gerne zur Seite!